Münster - Heimat heute und morgen

Bürgerpreis 2021

 

 

"Ein Rucksack voll Hoffnung" bekommt den Bürgerpreis in Gold


Endlich wieder eine Preisverleihung der Bürgerstiftung als Präsenzver­anstaltung! Diese Erleichterung war allen Teilnehmern bei der Veranstaltung im Rathaus-Festsaal anzumerken – und von OB Markus Lewe und dem scheidenden Vorstandsvorsitzenden Hans-Peter Kosmider auch angesprochen: Vorsicht in Form von 2G und Masken, aber Nutzung des Geimpftseins, um in einer solchen Veranstaltung die Preisträger zu würdigen.

Die Bürgerstiftung hatte es wieder spannend gemacht: Sieben Finalisten waren eingeladen und wurden in kurzen Videobeiträgen porträtiert. Alle Laudatoren ließen Finalisten und Auditorium ein wenig raten: Wer sind die Preisträger?

Der mit 1000 Euro dotierte Jugendpreis geht an die Courage Schülerstiftung am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Kinderhaus. In dieser 2006 gegründeten und über viele Schülergenerationen fortentwickelten Initiative fördern Gymnasiasten Grundschulkinder, die von zu Hause nicht so viel Unterstützung bekommen. Sie schaffen so ein Stück Heimat für Kinder, die es auf Grund von Herkunft, Sprache oder wirtschaftlichen Verhältnissen schwerer haben. Laudator Hans Näscher lobte vor allem die Dauerhaftigkeit dieses Projektes und seinen wichtigen Beitrag dazu, unterschiedliche Start-Chancen von Kindern ein wenig einzuebnen.

Den ebenfalls mit 1000 Euro dotierten Bürgerpreis in Bronze erhält die Initiative Dein Brunnen für Münster. Zwar sind es im Kern "nur" fünf engagierte Bürgerinnen und Bürger, die dafür gesorgt haben, dass das Kunstwerk "Sketch For a Fountain" von Nicole Eisenman nach der Skulpturen-Ausstellung 2017 nach Münster zurückkehren konnte. Aber sie haben es geschafft, eine Idee Wirklichkeit werden zu lassen, eine große Zahl von Unterstützern zu mobilisieren und die kommunalen Entscheidungsträger für das in der Öffentlichkeit durchaus kontrovers diskutierte Projekt zu gewinnen. Laudatorin Bernadette Spinnen hob hervor, dass die Initiatoren auch zukünftig in Form vielfältiger Veranstaltungs­formate einen interdiszipli­nären Austausch zu einer toleranten, diversen Gesellschaft ermöglichen und so das Verständnis von Heimat weiterentwickeln wollen.

Einen klassischen Heimatverein im besten Sinne nannte Laudator Christoph Spieker den Silber-Preisträger, das Kulturforum Nienberge. Das seit über 20 Jahren bestehende und im Stadtteil gut vernetzte Kulturforum hat sich erfolgreich für den Bau eines Forums, das auch von der benachbarten Grundschule genutzt werden kann, eingesetzt und organisiert seitdem eine breite Palette von kulturellen Veranstaltungen. Die im Kulturforum Engagierten beweisen einen langen Atem und haben im wörtlichen Sinnen einen Ort geschaffen, an dem Heimat erlebbar ist.

Die Rede auf den Gold-Preisträger hielt wie immer der Vertreter des Hauptsponsors, der Volksbank Münsterland Nord und der Wertestiftung Münsterland, Dietmar Dertwinkel. Er lobte das 2014 von Münsteraner Schülern gegründete Projekt Ein Rucksack voll Hoffnung. Die jungen Leute sammeln Kleidung und Dinge des täglichen Bedarfs, so dass sie im Winter jeden Sonntag bis zu 70 Obdachlose mit dem Nötigsten – und auch ein bisschen Heimatgefühl – versorgen können. Mindestens so wichtig ist ihnen, mit Obdachlosen ins Gespräch zu kommen und sich für sie in der Öffentlichkeit einzusetzen, nicht zuletzt durch Unterrichtsreihen an mehreren Schulen. 2016 war das Projekt schon mit dem Jugendpreis der Bürgerstiftung ausgezeichnet worden. Mit seiner Nachhaltigkeit und dem unermüdlichen Engagement der Schüler und Studenten wurde das Projekt nun unter großem Beifall des Publikums mit dem Gold-Preis ausgezeichnet.

Auch das Engagement der weiteren Finalisten wurde gelobt:

das Begegnungszentrum Kinderhaus mit seinem Projekt  "Westfalen für Anfänger", wo sich regelmäßig Menschen mit Migrationsgeschichte und Einheimische zu vielfältigen kulturellen Aktivitäten treffen,  

DJK Borussia mit seiner Jugendabteilung und dem "Borussen-Ferienpark" für Kinder und Jugendliche, deren Bewegungs- und Sport-Möglichkeiten Corona-bedingt eingeschränkt waren oder sind,

und der Sozialdienst Katholischer Frauen mit Frauentreff, Kleiderkammer, Frühstücken, kulturellen Veranstaltungen und Gesprächsangeboten.